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Kletterwandseiten: Geschichte

Die Abteilungen
Geschichte

Die Vorbereitungen und Planungen für unsere neue Kletterwand waren abgeschlossen, nur der Stadtrat tat sich noch schwer mit der Genehmigung. Erst nach Vorstellung unseres Kletterwandmodells im Maßstab 1 : 10 mit 157 m2 Kletterfläche im Februar 1998 begeisterte man sich und genehmigte den Bau unverzüglich.
 
Im September 1998 war es dann so weit. Die ersten Aufräumarbeiten konnten beginnen. Materialbeschaffungen und Sichtung von Werkzeugen standen an. Da die Bühnendecke herausgebrochen werden sollte, schrieb die Statik vor, an der Giebelwand im Dachbodenbereich einen neuen Ringanker einzubringen, der einbetoniert werden musste. Eine zusätzliche Stahlkonstruktion mit einem Doppel-T-Träger und Verstrebungen nach unten zur Bühne wurden erforderlich. Danach konnte die Verschalung des Dachstuhls vorgenommen sowie die Isolierung eingebracht werden. Dampfbremsfolie und Rigipsplatten wurden befestigt, aber erst, nachdem sämtliche Dachbalken mit Folien gegen eindringendes Regenwasser geschützt waren.
 
Das Herausbrechen der Bühnendecke stellte sich als größte Herausforderung dar. Aber nur so erreicht unsere Kletterwand heute eine Höhe von 11,5 m. Mit immensem Aufwand setzten alle Beteiligten ihr Können und ihre Kräfte zum Ausbau der Bühnendecke und den Abtransport der Bühnenbalken ein. Jetzt konnte an die Unterkonstruktion gedacht werden, die ein Stahlgerüst ist. Die darauf befestigten Holzwände tragen das Strukturgerippe aus Holz für die Schrägen und Überhänge.
 
Anfang März 1999 war alles bereit für die Anlieferung und Anbringung der Struktur- und sandbeschichteten Platten der Firma Pyramide. Auch diese wurden nach kurzer Anleitung in Eigenregie montiert. Strukturplatten (Glasfaserverbundplatten) sind in der Mitte der Kletterwand mit Überhang angebracht und bieten dem Kletterer neben den Klettergriffen zusätzliche Trittmöglichkeiten. Die geraden Wände und Deckenteile sind aus Multiplexplatten mit Quarzsandbeschichtung. Beide sind mit entsprechenden Verschraubungen für die Griffbefestigung versehen. Unsere Crew befand sich inzwischen in Hochstimmung.
 
Waren die Arbeiten unter der Aufsicht unserer Bauleiter Werner Hirsch (u.a. Metallbauarbeiten) und Ludwig Wasner (u.a. Holzbauarbeiten) bestens gelaufen, so standen jetzt die jungen Kletterer in der Pflicht. Sie tüftelten bereits lange herum und konnten es gar nicht abwarten, die ersten Griffe einzuschrauben. Routen in den Schwierigkeitsgraden 3 – 9 setzten sie in farblicher Vielfalt in die Höhe.
 
Vorher mussten noch die notwendigen Elektroleitungen gezogen und Verputzarbeiten an der Bühne geleistet werden. Danach waren die Malerarbeiten dran. Eine aufwändige Arbeit bedeutete, das Gerüst aufzubauen und immer wieder umzusetzen. Bauschutt beseitigen und den Arbeitsplatz sauber halten, erforderten manche zusätzlichen Helferstunden.
 
Damit war zwar die eigentliche Kletterwand fertig. Doch die Anlage steht auf der Bühne der Jahnhalle, die erheblich verändert wurde. Die Bühne sollte schließlich auch künftig zur Verfügung stehen. Es musste eine bewegliche Bühnenrückwand gebaut werden, die je nach Bedarf verschoben werden kann, damit es vor der Kletterwand einen Raum gibt, der von der eigentlichen Sporthalle getrennt ist. Dabei standen wir vor einem großen Problem: Der Bühnenboden fällt 8 cm nach vorne ab. Es würde unmöglich werden, solch eine Wand problemlos „bergauf“ nach hinten zu schieben. Die Lösung war ein entsprechend langer Keil, auf dem das Lager zum Verschieben der Bühnenwand läuft. Und es funktioniert.
 
Zum Schluss hatten 33 Erwachsene 1.166 Stunden gearbeitet, die Jugendlichen waren mit 685 Stunden und 12 Personen dabei. Also insgesamt wurden 1.851 Stunden von 45 Personen geleistet. Nicht eingerechnet die Zeiten für Organisation und Verhandlungen im Hintergrund, Sitzungen, notwendige Schriftarbeiten, Helferstunden beim Hebauf und am Eröffnungstag und vieles mehr.
 
Mit der Schlüsselübergabe in Form eines Klettergriffes an die Jugendleiter bei der festlichen Eröffnung der Kletterwand begann ein neuer Abschnitt in der Vereinsgeschichte.
 
 
Nach Angaben und Unterlagen von Werner Hirsch erstellt von Giesela Zeilmeir
 

Bericht des ersten Vorsitzenden über den Bau der Kletterwand

 
Die Vision einer Kletterwand
 
Wer hatte damals vor 20 Jahren nicht die Nachrichten vernommen, dass unsere klettersportbegeisterten Bergfreunde aus ganzen Klettergebieten hinausgeschützt wurden. Für unsere Kletterfreunde waren damit die heimatnahen Kletterreviere nicht mehr nutzbar.
 
Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Nach diesem Zitat von Victor Hugo, war die Zeit der Zurückhaltung von 1990 bis 1995 auch in unserem Vereinsvorstand nicht mehr zu rechtfertigen. Am 19.09.1995 konnte ich den Vorstand überzeugen, dass wir uns nächstes Jahr auf dem Stadtfest mit einem Kletterturm präsentieren. Der Kletterturm war eine riesige Plattform auf der sich unser Verein darstellen konnte, was zur Folge hatte, dass sich der Vorstand am 17.09.1996 entscheiden konnte dem Bau einer Kletteranlage zu zustimmen. Das Jahr 1997 war geprägt von der Standortsuche, Verhandlungen mit der Stadt Günzburg, wie kann die Finanzierung aussehen, mit welchem Kletterwandhersteller kann das Projekt realisiert werden, Fragen über Fragen mussten in unendlichen Gesprächen geklärt werden. Die Vorstellung einer Kletteranlage im Modell 1:10, erstellt von unserem Bergfreund Werner Hirsch, brachte auf der Mitgliederversammlung 1998 den endgültigen Durchbruch und die Genehmigung zum Bau einer Kletteranlage in der Günzburger Jahnturnhalle.
 
Eine gute Vision erwächst aus der Balance zwischen Realitätssinn und Utopie. Visionen sind das gerade noch Machbare. Geleitet von den Worten Hermann Simon, Haward-Business-School, wurde ein Finanzierungsmodell entwickelt, das seinesgleichen sucht. Durch ein einzigartiges Sponsoringmodell mit einer groß angelegten Spendenaktion, die von unseren Mitgliedern, Förderern, öffentlichen Institutionen und Firmen einzigartig unterstützt wurden sowie dem Einsatz unserer eigenen Vereinsmittel, konnten die Baukosten von ca. 90 Tausend Euro aufgebracht werden. Es war eine großartige Leistung aller Sponsoren, auf die ich heute noch besonders Stolz bin.
 
Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Männer zusammen, um Holz zu beschaffen und Werkzeuge vorzubereiten oder die Arbeit einzuteilen und Aufgaben zu vergeben – sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen weiten Meer. Im Sinne dieser Worte des Philosophen Antoine de Saint-Exupery, hat sich ein Arbeitsteam aus den Reihen unserer Bergfreunde, geleitet von Werner Hirsch und Ludwig Wasner, in über 2000 Arbeitsstunden an die Arbeit gemacht um sich die Sehsucht zu erfüllen, in Günzburg eine Kletterwand zu besitzen. Es war eine Freude, mit welcher Begeisterung die gesamte Mannschaft, Jung und Alt, in einer Bauzeit von nur sechs Monaten diese Kletterwand geschaffen hat. In einer kleinen Feier konnte am 31. März 1999 für den Abschluss der wichtigsten Arbeiten „Hebauf“ gefeiert werden.  
 
Der 20. Juni 1999 war für unsere Sektion ein großer, ein ehrwürdiger Tag. Nach einer von langer Hand vorbereiteten und in einer relativ kurzen, aber harten, intensiven Bau­zeit konnte die Indoor-Kletterwand in der Jahn-Turnhalle ihrer Bestimmung überge­ben werden. Es war ein schöner Tag! Es war ein Tag mit Sonnen­schein und vielen Freunden des Berg- und Klettersports, die gemeinsam die Einweihung Ihrer Kletter­wand, abseits und fern der Berge, in Günz­burg feiern konnten. Im Bühnen­bereich der Jahn-Turnhalle steht jetzt eine Klet­terwand mit 11,5 Metern Höhe und mit einem Überhang von 3 Metern. Die Kletterfläche be­trägt 157 m² und umfasst den 3. bis 9. Schwie­rig­keitsgrad. Was dieser Schwierigkeitsgrad be­deutet, konnten Sie, liebe Bergfreunde, durch die Akteure von Walter Hölzler und Christoph Finkel (Gewinner des  Kletterweltcup 1992) bei der Eröff­nungsfeier  haut­nah erleben.
 
Liebe Bergfreunde, ohne Ihre großartige Unter­stützung, ohne Ihren Mut, ohne Ihren unermüd­lichen Einsatz und Arbeitswillen, ob in der Phase einer Vision oder in der Planung oder in der Umsetzung oder in der Bauphase und letzt­lich bei der Eröffnung wäre diese Indoor-Kletterwand nicht ent­standen. Für diesen Ein­satz bedanke ich mich ganz herzlich bei allen Beteiligten und Förderern.
 
 
Hans Engelhart
 
1.Vorsitzender


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Die Kletterhalle im Vereinsleben
 
Unsere Sektion ist heuer 100 Jahre alt und hat seit 1999 eine „Indoor-Kletterhalle“ (gibt’s das auch outdoor?), also einen Spiel- und Trainingsplatz für Kletterer und Bergsteiger aller Schattierungen, wie es sie auch vor 100 Jahren schon gab. Jedoch hat man damals etwas romantischer getickt, ich zitiere in Kurzform: „Wenn des Winters strenges Regiment gebrochen, durchzieht ein seltsam Klingen des Bergfreundes Brust, umgaukeln ihn lebensfrohe Bilder der Erinnerung, voll Himmelsblau und Sonnenglast, voll Gipfelfreude und Bergsieg“ (K. Plaichinger in Zeitschrift des D.u.Ö.AV 1910).
 
So pathetisch „klingt“ der Betrieb in der Kletterhalle nicht, auch wenn alle Akteure voll bei der Sache sind. Meist sind es junge Leute, Männlein und Weiblein, mit sportlichen Ambitionen, aber auch Gruftis am Seil von Teenagern werden gesichtet. Die Atmosphäre ist locker; witzig, bisweilen sarkastische Kommentare sind das Salz in der Suppe. Originell sind oft auch die Namen, die den Touren von den jeweiligen Erstbesteigern verpasst werden: „Affenschaukel“, „Blaues Wunder“, „Hornhautraspel“, Tarzan und Jane“.
 
Der ganze Betrieb muss natürlich irgendwie organisiert werden. Da ist zunächst das Kletterwandteam mit Christan Weiß an der Spitze, zuständig für Beschaffung und Kontrolle der Infrastruktur, für das Reglement und die Hallenaufsicht. Während der offiziellen Trainingszeiten ist immer ein Repräsentant der Sektion anwesend und kümmert sich um die Öffnung der Halle, kassiert das Eintrittsgeld und hat auch mal einen guten Rat für „Nicht Fortgeschrittene“ (prinzipiell gilt jedoch die Eigenverantwortlichkeit der Kletterer). Bezüglich der Öffnungszeiten und Eintrittspreise liegt ein Merkblatt in der Halle aus und ist in „2009 Was gibt es“ veröffentlicht. Außerdem: „Unsere Kletterwand“ von C. Weiß in „2009 Das war es“. Ein besonderer Dank gebührt Harry Franke, der wiederum das Organigramm der Hallenaufsicht gebastelt hat.
 
Im Sommer 2009 sind die Routen der Jahre 2007 und älter ausgebaut und die Griffe gereinigt worden. Neue und auch recht pfiffige Routen sind bereits wieder geschraubt, insgesamt gibt es z.Z., verteilt auf 14 m Wandbreite, 65 Routen mit einer Höhe von max. 11 m. Die Schwierigkeiten reichen vom 4. bis zum 9. Grad. Wer’s leichter haben will, bediene sich aller erreichbarer Griffe, die er/sie zum Weiterkommen benötigt. Und wer den 8. Grad „locker drauf hat“, kann auf das Magnesia-Pulver verzichten, was nach Expertenmeinung die Schwierigkeit um einen Grad erhöht. Nebeneffekt: Die Halle wird weniger verschmutzt.
 
Glücklicherweise hatten wir noch keinen schwerwiegenden Unfall, aber einen unverzeihlichen Ausrutscher muss ich persönlich beichten: Im Eifer des Gefechtes tat ich einige Zwischensicherungen als Zierrat ab. Strafe: Pendeln mit Haxenknaxen. Danke Günther, hast aufmerksam gesichert!
 
Wenn wir die Taten der Alpinisten aus der Gründungszeit unserer Sektion vor Augen führen, sind unsere Aktivitäten in der Halle natürlich kein Alpinismus, bestenfalls eine Trainingsmöglichkeit im Hinblick auf diesen. Der Einfachheit halber gehe ich aber von einer eigenständigen Sportart aus. Charakteristisch sind die schwierigen und vielfältigen Bewegungsformen, die alle Muskeln, Bänder und Gelenke optimal trainieren. Bei der Sicherung des Partners übernimmt man Verantwortung, was gerade bei Heranwachsenden ein wichtiger Beitrag im sozialen Reifungsprozess ist. Speziell unter diesem Aspekt sind die Übungsstunden von Schulklassen zu sehen.
 
Schließlich, ganz wichtig, es macht einfach Spaß, eine „harte Nuss“ mit Raffinesse zu knacken, auch wenn’s ein paar Schweißtropfen kostet.
Fazit: Die Kletterhalle ist der Treffpunkt unserer jüngeren Mitglieder, ohne ihn wären wir zwar ein Alpen-, aber mehr ein Altenverein.
 
07.10.2009 - Norbert Raith